In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden die Möglichkeiten des Computers in immer stärkerem Maße in den Berufsalltag des Architekten eingebunden. Anfänglich fungierten die neuen digitalen Architekturwerkzeuge als prinzipielle Verlängerung der klassischen analogen Zeichnens und orientierten sich dabei noch an den Möglichkeiten der darstellenden Geometrie. Mittlerweile präsentieren sie sich als eigenständigere, entwurfsunterstützende und generative Medien.
Die Entwicklungskurve, die man nun überschlägig über die letzte Dekade zeichnen kann, bewegt sich von einer ersten Untersuchung der Formensprache animierter Geometrien hin zu einer immer stärker werdenden Verwendung als vernetztes Informations-, Entwurfs- und Fabrikationswerkzeug. Die frühen Jahre waren gleichsam geprägt von einer theoretisch konzeptionellen Untersuchung der neuen räumlichen Inhalte und ihrer Entstehungsprozesse, die erstmalig Disziplin-übergreifende Analogien und entwerferische Übertragungen von biologischen, physikalischen und evolutionären Prozessen erlaubten.
Die Anwendungen dieser Fortschritte bewegen sich in zunehmendem Maße – bedingt durch eine qualitative und quantitative Steigerung der Hard- und Softwaremöglichkeiten – auf eine klassischere Baupraxis zu. Gleichwohl treten sie als eigenständige Architektursprache mit charakteristischer Steuerungs- und Informationsmethodik und neuer formaler Expressivität auf. Die jüngsten Realisierungen einer Reihe von Architekturen, welche nur unter Mithilfenahme digitaler Prozesse konzeptionier- und herstellbar waren, stellen diese Entwicklung von digitalem Inhalt zu gebauter Umwelt oftmals eindrucksvoll dar.
Durch die Vernetzung digitaler Entwurfsprozesse mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen wie z.B. Informatik, Geometrie, Materialkunde, Kybernetik ist eine Konsolidierung der generellen Forschungsinhalte jedoch noch nicht absehbar. Der Charakter, der sich durch wissenschaftliche Erkenntnisse erschließenden Neuerungen ist oftmals noch von sehr grundsätzlicher Natur und lässt den Schluss zu, dass wir uns noch in einer Frühphase des Verständnisses und Anwendung digitaler Methoden in der Architektur befinden. Fortschritte in den oben genannten ausgewählten Disziplinen lassen sich dabei entweder direkt oder prinzipiell auf die Architekturpraxis anwenden und erfordern eine experimentelle Untersuchung ihrer Sinnhaftigkeit durch einen wissenschaftlicheren Dialog, der an dem Institut geführt und mitgestaltet werden soll. Die im Titel des Instituts ausgewiesenen Adjektive sind demnach integrativ und keinesfalls additiv zu verstehen. Ein wichtiger Bestandteil einer zukünftigen Forschung liegt deshalb in der interdisziplinären Kollaboration mit anderen Forschungsinstitutionen – innerhalb oder außerhalb der UDK.
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